Altkleidersammlung

Wohin mit alter Kleidung?

Nein, nicht in den Müll – aber auch nicht gedankenlos in irgend einen Sammelcontainer.

Caritas/Kolping/Rotes und Grünes Kreuz sowie Humana und wahrscheinlich noch weitere Organisationen sammeln Kleidung und Schuhe. Man gibt im Glauben man spende etwas für arme Menschen. Dem ist aber nicht so.

Man sollte seine Kleidung nicht unbedacht in den nächstbesten Container werfen. Die Kleidung geht nämlich nicht an Bedürftige sondern wird von großen Firmen gewinnbringend verkauft. Am ehestens vertrauenswürdig würde ich die Caritas (Österreich) einstufen, siehe das Statement von Frau Mimra weiter unten. Die Sammelorganisationen kriegen pro Kilo Kleidung ein paar Cent, während Zwischenhändler das wahre Geld damit verdienen. Die Kleidung wird nach Afrika verschifft und hat dort die lokale Textilindustrie zerstört, Stichwort Mitumba.

Diese deutsche Doku zu dem Thema sollte man auch gesehen haben:

 

Wer trotzdem spenden will, die nicht gewollte Kleidung gewaschen in ein Plastiksackerl packen und in einen Altkleidercontainer werfen. Das gleiche gilt auch für Schuhe.

Wer in Wien aktiv nach den Sammelstellen sucht, wird entdecken, dass sie an fast jeder Ecke (bis zu 4 verschiedene) stehen. Gesammelt wird das ganze wahrscheinlich von (einer einzigen) Firma – ganz egal welche Organisation am Container oben steht.

 

Container Standplätze Wien – die Übersicht

  • Caritas: Caritas Wien – meine Empfehlung
  • Kolping: unten einfach auf „Standplätze“ klicke
  • Rotes Kreuz: hier gibt es gleiche eine Google Maps Anzeige (Wien)
  • Grünes Kreuz: wissen leider selbst ihre Standorte nicht (nur der Abholfahrer) – da muss man also suchen

ACHTUNG: vermeidet die Firma Humana, diese hat ein sehr fragwürdiges Image.

Aber was macht man nun mit der Kleidung die eigentlich noch in Ordnung ist?

  • versuchen an Freunde/Verwandte zu geben
  • falls möglich als „Baustellen“ Gewand oder für sonstige Tätigkeiten die die Kleidung in Mitleidenschaft ziehen
  • Gewand solange tragen wie möglich

Florian von nachhaltig-sein.info hat sich auch Gedanken über das Thema gemacht und seine Erkenntnisse als die andere Wahrheit über Altkleider veröffentlicht.

Die Firma Öpula, die für das Rote Kreuz und Kolping sammelt hat mich per Mail kontaktiert, dass sie in diesem Artikel auch erwähnt werden wollen. Was diese Firma macht? Sie sammelt die Altkleider in vielen Bundesländern (10.000 Tonnen/Jahr). Öpula ist bemüht, der Altkleidersammlung das schlechte Image, dass sie hat, zu nehmen. Besucht doch mal deren Website und bildet auch selbst eine Meinung.

 

Frau Mimra von der Caritas hat mir erlaubt folgendes Statement, auf die Frage, was mit der Altkleidersammlung passiert, zu veröffentlichen:

„derzeit werden container in wien teilweise von uns selbst entleert, teilweise von einem unternehmen.

die kleiderspenden werden zu einem teil in der gratiskleiderausgabe an bedürftige männer, frauen und kinder ausgegeben, viele tonnen wandern als hilfslieferungen in partnerinstitutionen in den osten. dort werden damit waisenhäuser oder obdachloseneinrichtungen ausgestattet. im winter gab es auch große hilfslieferungen auch in den osten (hauptsächlich ukraine, moldavien, rumänien…) mit decken und warmer kleidung um die bedürftige bevölkerung zu versorgen.

leider sind die altkleiderberge auch in österreich so riesig, dass der lokale bedarf damit weit überschritten wird und diese mengen im inland nicht verwendet werden können. als „kleines wiener carla“ haben wir derzeit noch nicht die möglichkeit, hier selbst den verkauf zu übernehmen.

die altkleidersammlung der caritas  wird von uns als reflektierte organisation auch intern immer wieder diskutiert und neue wege überlegt, auch österreichweit ist hier ein prozess im gange. die ungeheure menge der entsorgten bekleidung zeigt die kehrseite unserer wohlstandsgesellschaft. unsere herausforderung besteht nun darin, die schattenseiten des konsumwahns der entwickelten welt möglichst gut abzufangen.

es ist uns ein anliegen, kleidung fair zu verwerten, dennoch muss auch jeder  konsument hier verstärkt in die verantwortung genommen werden, denn das wegwerfen von kleidung die oft nur kurz oder vielleicht sogar gar nicht getragen wurde liegt beim einzelnen, der entscheidet, was und wieviel er an altkleidung produziert.

sehr viele tonnen unserer gesammelten kleidung werden an bedürftige verschenkt und obwohl wir hier sehr aktiv sind, bleibt ein großer rest, den wir nicht im inland verkaufen oder verschenken können. mit den erlösen aus den großverkäufen der container werden hilfsprojekte finanziert. beispielsweise betreiben wir ein projekt für langzeitarbeitslose menschen, die bei uns beschäftigung finden  und mit unterstützung von sozialarbeiterinnen wieder in den arbeitsmarkt integriert werden. gesamt gibt es hier 90 arbeitsplätze. darüber hinaus bieten wir stundenweise beschäftigung für menschen in finanziell prekären situationen, menschen mit psychischen erkrankungen und bieten freigängern die möglichkeit über beschäftigung bei uns wieder in ein geregeltes leben zu finden.

ps: vielleicht finden sie auch antworten für ihre leserInnenschaft, was mit den altkleidern noch gemacht werden könnte – z.b. flohmärkte im freundeskreis, re-design von kleidung, einkauf von fair-trade kleidungsstücken, pre-check: muss das teil wirklich sein, produziert der händer unter fairen bedingungen?“

 

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